Unterwegs in Madagaskar und Lesotho

15.11.2010, Dienstreiseberichte

Vom 31.10.-13.11. habe ich zwei Dienstreisen absolviert. Eine Delegationsreise des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Deutschen Bundestages (AWZ) führte nach Madagaskar und Lesotho. Die zweite war eine Reise verschiedener Bundestagsabgeordneter der Fraktion DIE LINKE in den Sudan. Hier ein kleiner vorläufiger Überblick über Hintergründe, Erlebnisse und die politisch brisantesten Punkte der Reise nach Madagaskar und Lesotho.

Madagaskar


Die Insel Madagaskar liegt östlich von Südafrika und Mosambik, war früher eine französische Kolonie und zählt heute etwa 20 Millionen Einwohner. Die Mitglieder des AWZ verbrachten fünf Tage im Land. 2009 wurde die demokratisch gewählte Regierung von Präsident Ravalomanana gestürzt. Die Auslegungen der damaligen Ereignisse, die uns in Madagaskar vorgetragen wurden, reichen von "Putsch" bis "Volksaufstand". Eine abschließende Bewertung möchte auch ich mir trotz dieser Reise nicht anmaßen - die Lage im Land ist zu komplex. Fakt ist aber, dass Ravalomanana eine zunehmend autokratische Politik verfolgt hat, die weite Teile des Volkes gegen ihn aufgebracht haben. So hat er sich im großen Stil persönlich bereichert. Für viel Unmut sorgte aber vor allem der sogenannte "Daewoo-Deal" in seiner Regierungszeit. Hierbei sollte der Hälfte des fruchtbaren Landes an den südkoreanischen Daewoo-Konzern für 99 Jahre verpachtet werden. Dieses Vorhaben gilt seitdem als Paradebeispiel für das so genannte "Land Grabbing". Der Deal über 1,3 Millionen Hektar Land drohte die katastrophale Ernährungslage weiter zu verschlechtern, denn heute schon sind 35 % der Bevölkerung akut unterernährt. Auf der betroffenen Agrarfläche sollte nämlich Mais und Palmöl für den südkoreanischen Markt angebaut werden. Daher wäre nichts auf dem madagassischen Markt angekommen. Auch wenn der Deal in den Wirren des Umsturzes 2009 eingestellt worden ist, sorgte er für internationale Empörung bis zum Vorwurf des "Neokolonialismus" durch Jacques Diouf, Chef der UN-Ernährungsorganisation FAO.

Seit dem Umsturz regiert als Übergangspräsident der frühere Bürgermeister der Hauptstadt Antananarivo, Andry Rajoelina. Seine Regierung ist international  - bspw. durch die Afrikanische Union und Deutschland- nicht anerkannt.

Das Land befindet sich derzeit also in einer sehr angespannten Lage. Aufgrund der politischen Situation haben die Europäische Union und die USA ihre Entwicklungshilfe eingestellt bzw. lassen Projekte auslaufen. Dies trifft vor allem die ohnehin sehr von Armut betroffene Bevölkerung zusätzlich. Massive Umweltzerstörungen zur Gewinnung von Rosenholz insbesondere für den

chinesischen Markt ist ein weiteres großes lokales Problem. Von den riesigen Zerstörung der einheimischen Urwälder konnte ich mir selbst vor Ort ein Bild machen. Die Folge ist Bodenerosion und dadurch die Zunahme unfruchtbaren Landes. Das Land steht damit vor diversen Problemen für die es allesamt  zurzeit keine Aussicht auf Verbesserung gibt.


Auf meiner Reise in Madagaskar hatte ich die Möglichkeit mit VertreterInnen der GTZ, KfW, der Deutschen Welthungerhilfe und zahlreichen Partnern vor Ort über die Probleme im Land zu sprechen. Vertreter der Regierung trafen wir aufgrund der politischen Situation nicht. Interessant waren die Gespräche mit der madagassischen Zivilgesellschaft, die das ganze Spektrum der verschiedenen Auffassungen zur Lage im Land vertraten.

Lesotho

Das Königreich Lesotho liegt etwa 500 km östlich von Johannesburg mitten in Südafrika und zählt ca. zwei Millionen Einwohner. Unser Besuch dauerte zwei Tage. Auf dem Terminplan standen unter Anderem der Besuch eines Projekts des Deutschen Roten Kreuzes und eines lesothischen Dorfes. Außerdem nahmen wir gemeinsam mit dem lesothischen Premierminister mitten in den Bergen an der Eröffnung eines neuen Verwaltungsgebäudes teil. Dieses Gebäude ist Teil der Dezentralisierungsbestrebungen.

Besonderes Augenmerk gilt der dramatischen Gesundheitslage im Land: 29 % der Bevölkerung sind mit dem HI-Virus infiziert. Hier setzt daher auch ein großer Teil der Entwicklungshilfe an. Auch im Bildungssystem gibt es viel zu tun: 36 % der Bevölkerung sind Analphabeten. Die gebildeteren Schichten wandern häufig nach Südafrika aus, wo es besser bezahlte Arbeit gibt. Die Erreichung der UN- Millenniumsentwicklungsziele liegt in weiter Ferne und eine verstärkte Entwicklungszusammenarbeit ist dringend notwendig. Deutschland will sich hingegen demnächst aus der Entwicklungshilfe in Lesotho zurückziehen. Diese Absicht ist für mich besonders nach meinem Besuch absolut nicht nachvollziehbar, zumal andere Länder als Partner nicht nachrücken werden.

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