Spannende Berlinreise im Juni 2018

13.06.2018, Diverses

Am Dienstag, den 05.06.2018, beginnt unsere zweite Wahlkreisfahrt in diesem Jahr und dieser Legislaturperiode. Am Oberhausener HBF warten bereits die ersten 20 Personen, die sich mit auf den Weg in die Bundeshauptstadt machen. Nach kurzer Zugfahrt nach Duisburg treffen wir dort auf viele weitere Mitreisende, vorwiegend aus Dinslaken, dem Niederrhein oder Duisburg selbst. Unser ICE fährt mit leicht verspätet am Duisburger Hauptbahnhof ab, wobei wir schnell bemerken, dass ein Teil des Zuges fehlt, so dass er unverhältnismäßig voll ist. Ab Hamm entspannt sich die Situation aber und inzwischen ist unsere 50köpfige Reisegruppe auch zusammen auf ihren Plätzen versammelt. Die gut 3 ½ Stunden Fahrtzeit werden dann schon eifrig genutzt, sich gegenseitig kennenzulernen, neue Bekanntschaften zu knüpfen und sich angeregt über die Erwartungen für die nächsten Tage zu unterhalten. Unsere Reisegruppe ist bunt gemischt, die jüngste Teilnehmerin ist fünf Tage zuvor 18 geworden, der älteste Teilnehmer bereits über 80. Trotz der Altersunterschiede verstehen sich alle direkt. Die Zeit vergeht entsprechend schnell.

Angekommen an dem beeindruckenden riesigen Hauptbahnhof werden wir von Robert in Empfang genommen, der für die nächsten vier Tage unser Reisebegleiter aus dem Bundespresseamt sein wird. Ebenfalls begrüßen wir Steven, der uns die nächsten Tage durch Berlin fahren wird, was wir spätestens am Freitagmittag mit voller Ehrfurcht zu würdigen wissen. Einen Bus durch die engen Straßen mit ihren Baustellen und dichtem Autoverkehr zu lenken, verlangt schon eine gehörige Portion Nervenstärke und Geschick. Wir beginnen unseren Aufenthalt auf den Spuren des jüdischen Lebens in Berlin. Hierzu begeben wir uns zu den „Hackeschen Höfen“. Dieses Viertel wurde seit dem 18. Jahrhundert vor allem durch seine jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner geprägt. Davon zeugen u.a. der zweitälteste jüdische Friedhof Berlins, die Synagoge Heidereutergasse und die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße. Wir bekommen einen Stadtrundgang zu verschiedenen Orten der wechselvollen Geschichte jüdischen Lebens in Berlin: unter anderem zur Großen Hamburger Straße, wo die jüdische Gemeinde Mitte des 19. Jahrhunderts ein Altenheim errichten ließ, das später von der Gestapo geschlossen und zum Sammellager für Deportationen umfunktioniert wurde; oder zum nahegelegenen St. Hedwigs-Krankenhaus, in dem mehrere verfolgte jüdische Menschen Zuflucht fanden.

Das Anne Frank Zentrum, das sich ebenfalls im Viertel befindet, zeigt in seiner ständigen Ausstellung »Anne Frank. hier & heute« in Anne Franks Lebensgeschichte und ihr Tagebuch. Eindrucksvoll wird uns ihr Leben von den engagierten studentischen Mitarbeitern vorgestellt. Anschließend geht es noch in Das Museum „Blindenwerkstatt Otto Weidt“. Es erzählt die Geschichte der Blindenwerkstatt Otto Weidt. Hier beschäftigte der Kleinfabrikant Otto Weidt während des Zweiten Weltkrieges hauptsächlich blinde und gehörlose Juden. Sie stellten Besen und Bürsten her.
Verschiedene Lebensgeschichten berichten von Otto Weidts Bemühungen, seine jüdischen Arbeiterinnen und Arbeiter vor Verfolgung und Deportation zu schützen. Als die Bedrohung immer größer wurde, suchte er für einige von ihnen Verstecke. Eines davon befand sich in den Räumen des heutigen Museums.

Nach gut 2 ½ Stunden ging es dann ins Hotel und nach dem Einchecken wartete noch ein Abendessen auf uns. Trotz des langen Tages machten sich einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei sommerlichen Temperaturen noch auf zur Spree, um dort in einem Biergarten den Tag bei einem Berliner Bier ausklingen zu lassen.

Mittwoch, 06.06.2018

Nach ausgiebigem Frühstück starteten wir zu einer Stadtrundfahrt. In gut zwei Stunden fuhren wir durch Berlin und Robert vermittelte uns sachkundig die Geschichte hinter den Gebäuden und zur Geschichte Berlins. Einige der Sehenswürdigkeiten Berlins, die bei einem Besuch der Hauptstadt natürlich nicht fehlen dürfen, waren der Dom, die Museumsinsel mit dem Bode-Museum und dem Pergamonmuseum, die Wohnung der Kanzlerin, die Straße „Unter den Linden“, die Humboldt–Universität, der Bebelplatz mit dem Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung. Aber auch die Siegessäule, heute von den Berlinern liebevoll „Goldelse“ genannt, wurde aus dem Fenster genauso erspäht, wie der Tiergarten, an dem wir entlang fahren, bis wir auf das Brandenburger Tor stoßen, welches wir kurz vor dem Holocaust–Denkmal für die ermordeten Juden Europas passieren. Die Tour endet schließlich vor dem Reichstag, welchen wir nach einem Mittagessen besuchen. Zunächst haben wir Gelegenheit uns mit „unserem“ Bundestagsabgeordneten Niema Movassat zu treffen, der uns in 90 Minuten über seine Arbeit in Berlin informiert, aber auch für zahlreiche Fragen zur Verfügung steht, die sich um ganz allgemeine politische Themen drehen und hier und dort entsteht auch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine lebhafte Debatte. Apropos Debatte: Nach dem obligatorischen Gruppenfoto geht es für unsere Gruppe auf den Zuschauertribüne des Bundestages, wo wir für 50 Minuten der Plenarsitzung folgen dürfen. Mit dem Besuch der Kuppel und der Terrasse endet der heutige Tag und der Nachmittag steht allen zur freien Verfügung offen.

Donnerstag, 07.06.2016

Nach einem weiteren ausgiebigen Frühstück treffen wir am Sowjetischen Ehrenmal auf Stefan, der für Berliner Spurensuche arbeitet und uns auf einen Spaziergang zur Berliner Protestgeschichte einlädt. Wir laufen durch den Tiergarten und erfahren viel Neues zur Geschichte der Revolution 1848, der homosexuellen Bewegung und Protesten während der Zeit der Teilung. Wirklich sehr interessant, da es Aspekte beleuchtet, die man sonst als „typischer“ Berlintourist nie zu hören oder sehen bekommt. Wir beendeten unsere Tour am Holocaust-Denkmal, bei dem man beim Betreten des Denkmals das Gefühl bekommt, eingeklemmt zu sein, man fühlt sich inzwischen der Stelen verloren und alleine – so, wie sich damals die Menschen gefühlt haben müssen.

Von dort aus fuhren wir mit unserem Bus zur „Rosa-Luxemburg-Stiftung“. Es empfing uns dort zunächst der Chefredakteur des „neuen deutschland“ und erzählte uns von der Geschichte des Viertels und des Hauses. Im Anschluss nahmen uns zwei Mitarbeiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit in ihre Räume, wo sie mit uns über Aufbau, Ziele und Aktivitäten der Stiftung unterrichteten. Für uns alle war es interessant zu erfahren, wie vielfältig eine vergleichsweise kleine Stiftung aufgestellt ist und welche zahlreichen Projekte und Themen von ihr behandelt werden. Viele wünschten sich, dass die RLS auch in Zukunft wächst und auch eine stärkere kommunale Verankerung erhält. Da unser Restaurant für das Abendessen sich in unmittelbarer Nähe zum Potsdamer Platz befindet und wir noch etwas Zeit haben, bekommen wir dort noch einmal Gelegenheit uns individuell umzusehen. Die einen nutzen die Zeit zum Schoppen in der noch neuen "Mall of Berlin", ein riesiges Einkaufszentrum, dass auch häufig auch als „Mall of Shame“ bezeichnet wird, nachdem bekannt wurde, dass die Arbeitsbedingungen für die vorwiegend aus Osteuropa stammenden Arbeitern katastrophal waren und vielen beteiligten rumänischen Arbeitern bis heute erhebliche Teile ihrer Löhne vorenthalten werden. Der Potsdamer Platz als solches stellt nach Selbstdarstellung „einer der spannendsten und vielseitigsten Orte mit einer einzigartige Mischung aus Kunst, Entertainment, Shopping und Weltstadtflair“ dar. Für die meisten unserer Reisegruppe ist er aber eher steril und wenig attraktiv.

Freitag, 08.06.2018

Am letzten Tag unserer Reise stand das ab 1987 als "Topographie des Terrors" bekanntgewordene Gelände als letzter Programmpunkt an. Diese war der Zentralort von Planung und Lenkung der meisten NS-Verbrechen. Hier waren zwischen 1933 und 1945 mit dem Geheimen Staatspolizeiamt, der Reichsführung-SS und dem Reichssicherheitshauptamt die wichtigsten Institutionen des nationalsozialistischen Terrorapparates von SS und Polizei untergebracht. Im Krieg teils zerstört, nach Kriegsende durch Abriss und Umnutzung unkenntlich gemacht und in Vergessenheit geraten, wurde dieser historische Ort seit Beginn der achtziger Jahre wiederentdeckt und im historischen Gedächtnis Berlins und der Bundesrepublik Deutschland schrittweise neu verankert. Aus einem teils brachliegenden Areal im Schatten der Berliner Mauer wurde schließlich eine jährlich hunderttausende Besucher anziehende Dokumentationsstätte der NS-Verbrechen. Gegen Mittag ging es dann zum Hauptbahnhof nach Berlin zurück, wo uns unser Zug wieder Richtung Ruhrgebiet brachte. Vier aufregende Tage lagen hinter uns, belieben sind viele neue Eindrücke und neue Bekanntschaften.

Martin Goeke
Wahlkreismitarbeiter und Reisebegleiter

Tags Wahlkreisfahrt Bundestag