Rede zu den Massakern und Kriegsverbrechen gegen die Tamilen

19.05.2013, Reden

Die folgende Rede wurde am 18.Mai 2013 bei der Gedenk-Demonstration von Tamilinnen und Tamilen anlässlich der Massaker und Kriegsverbrechen gegen ihre Bevölkerung in Düsseldorf gehalten. Es gilt das gesprochene Wort.

Liebe Freundinnen und Freunde,

Am heutigen Tag bin ich zu euch gekommen, um mit euch gemeinsam auf das unfassbare Massaker aufmerksam zu machen, dass den Tamilen am 18. Mai 2009 angetan wurde. Der 18. Mai 2009 markiert das Ende der srilankischen Militäroffensive; markiert den letzten –brutalsten -Akt des Bürgerkriegs.

Laut den Vereinten Nationen kam es in den letzten fünf Monaten des Bürgerkriegs zu 70.000 Morden der sri –lankischen Armee an der tamilischen Zivilbevölkerung! Krankenhäuser, Schulen, andere zivile Einrichtungen wurden angegriffen. Es wird geschätzt, dass 280.000 Überlebende in Lager verfrachtet wurden, in denen sie weiter ermordet, drangsaliert, gefoltert und unter schlimmsten hygienischen Bedingungen ihr Leben fristen mussten.

Auch heute hat das Leid kein Ende: Die Überlebenden sind jeden Tag mit dem Rassismus gegen die Tamilen konfrontiert. Doch damit nicht genug. Zentausende sri lankische Soldaten befinden sich auf tamilischen Gebiet. Die Tamilen sind umzingelt von ihren Peinigern, die ihre Frauen vergewaltigen und ihre Kultur, Sprache, Religion auslöschen wollen. Die Heimat der Tamilen wird ausgerottet. Es wird geschätzt, dass 147.000 Tamilen vermisst werden. Das Leid für die Angehörigen, die so nie von ihren vermissten Kindern, Vätern und Müttern Abschied nehmen können ist unermesslich.

Keiner der internationalen Big-Player, weder die USA noch die EU, sind bereit, die sri lankische Regierung unter Druck zu setzen, damit der Völkermord an den Tamilen anerkannt und aufgeklärt werden kann und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden können! Nein, vielmehr liefern die USA sogar noch Waffen an die Regierung Sri Lankas und unterstützen sie politisch! Damit muss endlich Schluss sein!

Da lässt sich die berechtigte Frage stellen: Warum ist das so? Die Antwort ist so einfach wie beschämend: Sri Lanka liegt  in Mitten einer sehr günstigen Handelsroute für den Schiffsverkehr. In der sri lankischen Bucht von Trincomalee, um die herum vor allem Tamilen leben, könnte ein riesiger Handelshafen entstehen. Ein Aufbegehren der tamilischen Bevölkerung, die um ihre Menschenrechte kämpft, die in Frieden und Freiheit leben will, die darum kämpft ihre Sprache zu sprechen, ihre Religion frei auszuüben, kurz – ihre Kultur frei entfalten zu können, stört dabei Sri Lanka nur. Um es ganz deutlich zu sagen: Die wirtschaftlichen Beziehungen sollen nicht durch die Aufklärung des Völkermords gestört werden. Die blutige Vergangenheit des sri lankischen Staates soll im wahrsten Sinne des Wortes „todgeschwiegen“ werden, damit die Kapitalisten dieser Welt, weiterhin unbehelligt ihr Geld abschöpfen können.

Heute sind wir hier zusammengekommen, um diesen Kampf gegen das Vergessen und das Schweigen weiter zu führen! Unser Kampf sollte jedoch immer auch nach vorne gerichtet werden. Wir alle – nicht nur die Tamilen – müssen uns fragen: Was können wir heute gegen das Vergessen und für die Angehörigen der Opfer tun? Für mich gibt es darauf nur eine Antwort: Wir müssen revolutionäre Politik in die Herzen der Menschen bringen und den Kapitalismus abschaffen. Denn es ist der Kapitalismus, der die Menschen tötet.

Heute, im HIER und JETZT müssen wir uns konsequent gegen jegliche Bundeswehreinsätze stellen. Jeder an der Waffe ausgebildete Soldat ist einer zu viel, jeder produzierte Panzer gehört auf den Schrott, jede Rakete, jede Drohne und jede Landmiene muss vernichtet werden.

Heute, im HIER und JETZT müssen wir uns dafür einsetzen, dass die Genossinnen und Genossen, die sich für Freiheit und Frieden der tamilischen Bevölkerung einsetzen und nun vom deutschen Staat hinter Gittern gebracht wurden, nicht alleine bleiben. Ich sage: Freiheit für alle politischen Gefangenen!

Heute, im HIER und JETZT unterstützen wir die Forderung nach einer lückenlosen, unabhängigen und internationalen Untersuchung des Völkermords gegen die Tamilen! Das hat DIE LINKE auch als Antrag in den Bundestag eingebracht.

Heute, im HIER und JETZT müssen wir uns dafür einsetzen, dass die Geheimdienste abgeschafft werden, denn keiner kann sie kontrollieren. Zu welchen Folgen das führt sehen wir gerade am Beispiel der NSU. Die Verwicklungen der deutschen Geheimdienste in die Mordserie der NSU werden immer deutlicher. Glaubt denn wirklich noch irgendjemand, dass der Verfassungsschutz tatsächlich die Verfassung schützt?! Bisher sieht es eher so aus, als wäre mit Steuergeldern systematisch die militante rechte Szene aufgebaut worden!

Und heute, HIER und JETZT müssen wir uns dafür einsetzen, dass es ein von der UN bewachtes Referendum über einen eigenständigen, tamilischen Staat gibt.  Für all diese Forderungen möchte ich mit euch gemeinsam im hier und jetzt kämpfen – im Parlament und auf der Straße.

Freiheit und Frieden für das tamilische Volk! Danke, dass ich bei euch sein durfte!

Tags Völkermord Tamilen Menschenrechte Internationales