Passauer Neue Presse: "Es mangelt an medizinischem Cannabis"

09.05.2019, Presseecho

Passauer Neue Presse, 09.05.2019

Nach Deutschland wird weit weniger Cannabis für den medizinischen Gebrauch eingeführt als rechtlich möglich. Das geht aus einer kleinen Anfrage des Linken-Abgeordneten Niema Movassat hervor, die der PNP (Donnerstags-Ausgabe) vorliegt. So wurden 2018 lediglich 3,1 Tonnen an medizinischem Cannabis eingeführt, obwohl die Behörden einen Import von insgesamt 42,8 Tonnen erlaubten. "Die Bundesregierung nimmt die medizinische Versorgung von Cannabis noch immer nicht ernst", kritisierte Movassat.

Schwerkranken in Deutschland darf seit März 2017 Cannabis verschrieben werden, etwa Krebspatienten gegen Schmerzen. Krankenkassen erstatten die Kosten, wenn andere Therapien ausgeschöpft sind. Der notwendige Cannabis wird derzeit noch aus dem Ausland eingeführt, aus Kanada und den Niederlanden. "Die tatsächlichen Importmengen verdeutlichen, wie extrem die Lieferengpässe sind", so Movassat: "Der Markt ist schlicht leergefegt."

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat im April die Genehmigung für den Anbau von 7,2 Tonnen medizinischem Cannabis für die kommenden vier Jahre genehmigt. Mit einer ersten deutschen Ernte wird aber frühestens im kommenden Jahr gerechnet.

Aus der Antwort der Bundesregierung geht auch hervor, dass sich das Einsatzgebiet von Cannabis in der Medizin ausdehnt. "Es ist gut, dass Cannabis immer häufiger auch bei Diagnosen wie ADHS, Epilepsie oder Depressionen verordnet wird", sagte Movassat und fügte hinzu: "Nach zwei Jahren Cannabis-als-Medizin-Gesetz zeichnet sich langsam eine Erweiterung des Diagnosespektrums ab."

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