neues deutschland: Bundesregierung erkennt Völkermord an

15.07.2016, Presseecho

neues deutschland, 14.07.2016, Martin Ling

Zum ersten Mal hat die Bundesregierung die Massaker in der früheren Kolonie Deutsch-Südwestafrika in einem offiziellen Dokument als Völkermord eingestuft.

»Die diesbezüglichen Antworten des Sprechers des Auswärtigen Amtes und des Regierungssprechers spiegeln die Position der Bundesregierung wider.« Hinter diesen dürren Worten in einer Antwort auf eine dem »nd« vorliegende parlamentarische Anfrage der Linksfraktion im Bundestag verbirgt sich ein fundamentales Eingeständnis der Bundesregierung: Erstmals beurteilt sie die Massaker an Herero und Nama Anfang des 20. Jahrhunderts unter deutscher Kolonialherrschaft im heutigen Namibia offiziell in Gesamtheit als »Völkermord«. […]

»Ich fordere die Bundesregierung auf, ihrer historischen Verantwortung während der Verhandlungen gerecht zu werden statt einseitig ihre Interessen durchzusetzen. Mit den einseitigen Statements des Sonderbeauftragten Polenz und deutschen Botschafters Schlaga von letzter Woche wird es keine dauerhafte und zufriedenstellende Lösung geben, die von allen Parteien anerkannt wird«, sagte der Bundestagsabgeordnete der Linkspartei Niema Movassat dem »nd«.  […]

Von Reparationen und direkten Gesprächen mit den Nachfahren kein Wort. Die Forderung von Movassat »Die Nachfahren der Opfer dieses Völkermords gehören mit an den Verhandlungstisch!« verhallt noch ungehört.

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