junge Welt: Rechte Gewalt verharmlost

22.09.2015, Presseecho

junge Welt, 22.09.2015, Markus Bernhardt

Die nordrhein-westfälische Polizei hat sich am Sonntag zum wiederholten Mal von extrem rechten Gewalttätern überrumpeln lassen. Zuvor hatten diese an einem erneuten Aufmarsch des rassistischen Netzwerks »Hooligans gegen Salafisten« (Hogesa) in Essen teilgenommen. Insgesamt rund 220 Rechte nahmen an besagter Demonstration teil. Rund 100 von ihnen sollen im Anschluss an den Aufmarsch Teilnehmer von Gegenprotesten mit Flaschen und Stühlen, Reizgas und Schlaginstrumenten attackiert haben. In letzter Sekunde konnten sich die Antifaschisten in einem Ladenlokal verschanzen. Die eingesetzte Polizei verharmloste die gewalttätigen Auseinandersetzungen in einer Presseerklärung. Sie sprach lapidar von einem »Aufeinandertreffen zwischen Teilnehmern der Hogesa- und der Bündnis-Versammlung, in dessen Verlauf es trotz Anwesenheit der Polizei zunächst zu Provokationen und dann auch zu Straftaten kam«. Es gab zwei Verletzte. […]

Das antifaschistische Bündnis »Essen stellt sich quer« warf den Beamten hingegen vor, die Gefahrenlage »grundsätzlich falsch eingeschätzt« zu haben. Ähnlich äußerten sich auch Vertreter der Linkspartei, die während der Proteste gegen den Hogesa-Aufmarsch vor Ort waren. »Der Angriff, bei dem nur durch Glück niemand schwer verletzt worden ist, zeigt, dass die Essener Polizei die Gefahr massiv unterschätzt hat. Dies ist ein Skandal, da man durch ähnliche Aufmärsche in Hannover und Köln hätte vorgewarnt sein müssen«, kritisierte der Linke-Bundestagsabgeordnete Niema Movassat. […] 

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