junge Welt: Gegen das Schweinesystem

23.01.2017, Presseecho

junge Welt, 21.01.2017, Jana Frielinghaus

Das Thema ist in der berühmten »Mitte der Gesellschaft« angekommen: Eine wachsende Zahl von Menschen will mitbestimmen, unter welchen Bedingungen unser Essen produziert wird. Dass hier etwas schief läuft, räumt mittlerweile auch ein bislang eher dem neoliberalen Fortschrittsglauben verpflichteter Branchenverband ein. Gestern wurde die Agrar- und Lebensmittelmesse »Grüne Woche in Berlin eröffnet, und am heutigen Samstag wollen wieder Tausende unter dem Motto »Wir haben es satt« ihren Unmut über »Agrarindustrie« und »Massentierhaltung«, aber auch über das Preisdumping der Einzelhandelsketten und die Marktmacht von Agrochemie-, Saatgut- und anderen Konzernen zum Ausdruck bringen. [...]

Zugleich stellt die Europäische Union die Weichen weiter in Richtung Deregulierung der Agrarmärkte. Das zeigen u. a. die Verhandlungsdokumente zum geplanten »Freihandels«abkommen TTIP mit den USA, die die Umweltorganisation Greenpeace im Mai 2016 veröffentlichte. Daraus ging hervor, dass die Vereinigten Staaten auf einem ungehinderten Marktzugang für Agrarprodukte bestehen – und dass die EU-Kommission offenbar bereit wäre, ihn zu gewähren, solange dies der europäischen Großindustrie dient. Der Linke-Bundestagsabgeordnete Niema Movassat monierte am Freitag zudem, die Bundesregierung stelle ihre »Entwicklungszusammenarbeit in den Dienst der Profitinteressen von Agrarkonzernen wie Bayer, Monsanto und BASF«. Dies sei »eine der Ursachen von Hunger und damit für viele Menschen ein Fluchtgrund«.


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