Gesellschaftliche Ursachen von problematischem Alkoholkonsum hinterfragen

08.05.2019, Pressemitteilung Bundestag

„Es ist besorgniserregend, dass weltweit jeder 20. Todesfall direkt oder indirekt auf den Alkoholkonsum zurückzuführen ist. Allein in Deutschland sterben jährlich schätzungsweise 70.000 Menschen vorzeitig an den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums“, erklärt Niema Movassat, drogenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE, anlässlich der Veröffentlichung einer internationalen Studie zum weltweiten Alkoholkonsum. Movassat weiter:

„Dass der durchschnittliche Alkoholkonsum in Deutschland ganz leicht abnimmt, ist prinzipiell gut. Allerdings bedeutet eine Abnahme des Durchschnittskonsums nicht automatisch eine äquivalente Senkung von alkoholbedingten Schäden. Vielmehr müssen wir Maßnahmen möglichst gezielt auf problematische Konsummuster richten und dabei die gesellschaftlichen Ursachen berücksichtigen.

Für Menschen mit einer Alkoholerkrankung brauchen wir bessere und niederschwellige Hilfen. Für alle Alkoholkonsumentinnen und -konsumenten müssen wir ein gesellschaftliches Setting und Klima schaffen, in dem der Griff zur Flasche nicht mehr als naheliegende Option erscheint, um Probleme zu verdrängen oder etwas zu kompensieren. Das ist nicht einfach, solange die Alkoholindustrie mit ihrer Werbung ein Bild vermittelt, welches Alkoholkonsum mit Freude, Gelassenheit und einem schönen Leben verknüpft. Daher wollen wir ein Werbeverbot.

Vor allem brauchen Menschen aber ausreichend Perspektiven für ein gutes und selbstbestimmtes Leben - und das ist in Zeiten von Entsolidarisierung, Prekarisierung und zunehmendem Leistungsdruck in der Arbeitswelt nicht immer gegeben. Wir brauchen weltweit eine linke Politik, die Menschen selbstbestimmte, informierte Entscheidungen ermöglicht, Konsumkompetenz fördert, gesellschaftliche Ursachen für Alkoholismus angeht und Suchtkranken Hilfe anbietet.“

Tags Alkohol Alkoholsucht