Flyer bestellen: Legalize it! – Für eine alternative Cannabispolitik

02.04.2019, News

Liebe Leser*innen,

trotz des Verbots ist Cannabis eine weit verbreitete Alltagsdroge. Geschätzt haben in Deutschland etwa 13 Millionen Menschen schon einmal in ihrem Leben Cannabis konsumiert. Längst ist klar, dass die Verbotspolitik gescheitert ist. Die erhoffte Abschreckungswirkung ist ausgeblieben. Dafür hat die Illegalisierung von Cannabis jede Menge Probleme geschaffen. Mit dem Festhalten an der Verbotspolitik werden schätzungsweise 3 Millionen erwachsene Cannabiskonsument*innen in Deutschland kriminalisiert: So drohen Strafverfahren auch bei geringen Mengen Cannabis oder der Entzug der Fahrerlaubnis selbst dann, wenn der Cannabiskonsum bereits viele Tage zurückliegt. Damit werden berufliche Existenzen zerstört. Das Verbot drängt Cannabiskonsument*innen auf den illegalen Markt, wo erhebliche Gefahren von verunreinigten und gestreckten Substanzen ausgehen. Eine progressive Drogenpolitik bedeutet für mich, den Drogenkonsum einer Gesellschaft als soziokulturelles Phänomen zu begreifen. Einerseits werden Drogen als reine Genussmittel konsumiert. Sie sollen das eigene Bewusstsein anders erfahrbar machen und die Wahrnehmung verändern. Andererseits werden Drogen zur Bewältigung des Alltags in einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft missbraucht. Sie fungieren als vermeintliches Mittel, um mit nicht erfüllbaren Leistungsanforderungen, Konkurrenzdruck, Perspektivlosigkeit und den Folgen von Individualisierungs- bzw. Vereinsamungsprozessen klarzukommen. Der Umgang mit Drogen muss deshalb den gesellschaftlichen Ursachen des Konsums gerecht werden. Mit diesem Flyer möchte ich Sie über unsere Ansätze für einen alternativen Umgang mit Cannabis informieren

Legalize it!

Laut Artikel 2 des Grundgesetzes entscheidet jeder Mensch selbst, wie er sein Leben führt. Das Selbstbestimmungsrecht des Menschen ist ein wichtiger Teil unserer Rechtsordnung. Es widerspricht dem Prinzip, Menschen von der Polizei und Justiz verfolgen zu lassen, wenn sie frei und selbstbestimmt die Entscheidung treffen, Cannabis zu konsumieren. Auch suchtabhängigen Menschen ist mit der Kriminalisierung nicht geholfen. Im Gegenteil, ihre Suchtproblematik wird zusätzlich durch die Strafverfolgung belastet. Die Drogenpolitik entbehrt jeder Logik, wenn man den Umgang mit legalen Drogen im Vergleich zu Cannabis betrachtet. Untersuchungen zufolge sterben jährlich etwa 74000 Menschen vorzeitig infolge ihres Alkoholkonsums und rund 121000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Todesfälle durch Cannabiskonsum sind hingegen nicht bekannt.

Die größte Gefahr beim Cannabiskonsum geht von Streckmitteln aus. Verunreinigungen des Cannabis mit Blei, Glas oder Haarspray sind nur durch einen staatlich kontrollierten Anbau zu verhindern. Außerdem ermöglicht eine Legalisierung, dass Konsument*innen künftig Kenntnis über den Wirkstoffgehalt von THC im konsumierten Produkt haben – das trägt zum Gesundheitsschutz bei. Der Gesetzgeber muss der sozialen Wirklichkeit gerecht werden und eine zeitgemäße Drogenpolitik einläuten, statt auf ideologischen Standpunkten zu beharren.

world wide weed

Die Cannabislegalisierung kommt immer mehr ins Rollen. Uruguay hat 2013 als erstes Land den Schritt gewagt. In den USA ist Cannabis mittlerweile in diversen Bundesstaaten legalisiert. Ein wichtiger Meilenstein war 2018 auch die Legalisierung in Kanada – denn damit ist Cannabis nun zum ersten Mal in einem Industrieland auf nationaler Ebene legal. Mittlerweile haben weit über 100 Millionen Menschen legalen Zugang zu Cannabis als Genussmittel. Und in vielen weiteren Länder ist Cannabis zumindest als Medizin zugänglich. Allerdings ist weltweit zu beobachten, wie mit der Legalisierung ein neues Marktsegment für den Kapitalismus geschaffen wird. Den heutigen Cannabismarkt beherrschen börsennotierte Unternehmen, deren Aktien im Jahr 2018 teilweise um bis zu 300 Prozent anstiegen. Gerade beim Verkauf von Drogen ist es falsch, wenn Profitinteressen im Vordergrund stehen. DIE LNIKE. im Bundestag fordert, dass der Anbau und Vertrieb von Cannabis perspektivisch stärker kooperativ und unkommerziell organisiert wird. Die Notwendigkeit der Regulierung steht dabei außer Frage. Wie die Weltkommission für Drogenpolitik erachten wir die staatliche Regulierung der Drogenmärkte als den einzigen Weg, die organisierte Drogenkriminalität zurückzudrängen. Im Kampf gegen die mafiös kontrollierten Drogenmärkte ist die Legalisierung von Cannabis in Deutschland ein kleiner, aber wichtiger Schritt – den DIE LINKE. im Bundestag mit vorantreibt.

Die Wirkung von Cannabis

Hanf ist eine der ältesten und vielfältigsten Kulturpflanzen der Menschheit. Jahrhundertelang diente diese Pflanze zu medizinischen Zwecken und war eine wichtige Rohstoffquelle für die Herstellung von Textilien und Papier. Auf der Oberfläche der weiblichen Hanfpflanze bildet sich ein Harz, welches verschiedenste Wirkstoffe enthält – die relevantesten sind THC und CBD. Das Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) ist die bedeutsamste psychoaktive Substanz der Hanfpflanze und löst beim Cannabiskonsum häufig Gefühle der Euphorie oder der emotionalen Gelassenheit aus. Der Wirkstoff Cannabidiol (CBD) hat hingegen antipsychotische, entzündungshemmende Wirkungen und soll zum Schutz der Nervenzellen beitragen.

Cannabis als Medizin

Seit März 2017 darf in Deutschland Cannabis als Medizin verschrieben werden, und zehntausende schwerkranke Patienten profitieren nun davon. Bei chronischen Schmerzen, Multipler Sklerose, depressiven Erkrankungen und vielen anderen Diagnosen kann Cannabis helfen und eine Alternative zu starken Arzneimitteln sein. Bei der Versorgungssituation, der Verschreibungspraxis, den Preisen und der Kostenübernahme durch die Krankenkassen gibt es allerdings große Probleme. Hier kämpft DIE LINKE. im Bundestag für Verbesserungen.

Unser Modell

Die Legalisierung von Cannabis bedeutet für uns eine wohlbedachte Regulierung. DIE LINKE. im Bundestag schlägt dazu neben der Möglichkeit des privaten Anbaus zum Eigenbedarf ein genossenschaftliches Modell in Form von Cannabis-Social-Clubs nach spanischem Vorbild vor. Diese Clubs sollen sich im Gegensatz zu den Coffeeshops in Amsterdam durch ein schlichtes Erscheinungsbild auszeichnen. Zugang soll dabei ausschließlich volljährigen Mitgliedern gewährt werden. Die Cannabis-Clubs übernehmen dann den Cannabisanbau für ihre Mitglieder. Die Abgabemenge pro Clubmitglied wird begrenzt. Wir wollen mit diesem Modell fördern, dass der Cannabiskonsum sozial eingebettet ist. Die Clubs sollen den Mitgliedern auch einen geselligen Konsumraum anbieten. Dadurch sinkt das Risiko, dass Menschen problematische Konsummuster entwickeln. Um einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit Cannabis zu fördern, sollen die Cannabis-Clubs ihre Mitglieder über die Wirkung von Cannabis sowie über den richtigen Anbau beraten. Im Gegensatz zu einem rein kommerziellen Konzept, bei dem es vor allem um Profite geht, ermöglicht unsere Idee, den Gesundheitsschutz und die Konsumenten in den Vordergrund stellen.

Ihr könnt den Folder hier herunterladen oder per Mail bei uns bestellen.

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