Deutsche Welle: Reparationen für Tansania?

10.02.2017, Presseecho

dw.com, 09.02.2017, Martina Schwikowski

Tansania will Deutschland für Verbrechen zur Rechenschaft ziehen, die während der Kolonialzeit begangen wurden. Dabei folgt das Land dem Beispiel Namibias, das bereits mit der Bundesregierung verhandelt. [...]

Das Thema koloniale Schuld rücke zunehmend auch ins Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit, sagt Niema Movassat, Mitglied des deutschen Bundestages für die Fraktion "Die Linke". Die jahrelange Debatte um die Anerkennung des Völkermordes an den Nama und Herero in Namibia habe nun auch die tansanische Regierung in ihrem Vorhaben bestärkt. "Die Zahlen der Opfer sind in Tansania sogar noch höher." Historiker schätzen, dass bis zu 300.000 Menschen zu Tode kamen, als deutsche Schutztruppen zwischen 1905 und 1907 den Maji-Maji-Aufstand im Süden Tansanias niederschlugen. Dabei brannten sie auch die Felder der Bauern nieder, Zehntausende verhungerten.

Die Frage der kolonialen Verantwortung Deutschlands habe bisher nur eine untergeordnete Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung gespielt, sagt Linken-Abgeordneter Movassat. "Es gibt kein zentrales Mahnmal, das an die Verbrechen erinnert. In Schulen wird  zu wenig aufgeklärt", sagte Movassat im DW-Gespräch. "Die deutsche Kolonialgeschichte ist kaum bekannt, rückt aber jetzt stärker ins Bewusstsein durch die Klage aus Namibia. Daraus erwächst auch eine stärkere Beachtung des Themas in afrikanischen Ländern."

Die Kolonialverbrechen in Namibia hat die Bundesregierung vergangenes Jahr als Völkermord anerkannt. Das zeigt, dass nach mehr als hundert Jahren Bewegung in die Debatte kommt. Doch das geht manchen Namibiern nicht weit genug. Traditionelle Führer der Volksgruppen der Herero und Nama haben jetzt Klage gegen Deutschland eingereicht: Sie fordern konkrete Entschädigungszahlungen.

"Es gibt auf jeden Fall eine moralische und historische Pflicht für Deutschland, Entschädigungen zu zahlen", sagt Movassat. Und eine Reparationsklage aus Tansania habe durchaus Chancen auf Erfüllung, wenn man sich die Beispiele Kenia und Namibia anschaue. Im Januar deutete die deutsche Regierung an, möglicherweise Geld an Namibia zu zahlen. Ein Entgegenkommen, das auch tansanischen Opfervertretern Hoffnung machen dürfte. Eine Stellungnahme der Bundesregierung war bis Redaktionsschluss nicht zu bekommen.

 

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