Der Iran im Fadenkreuz des Westens

01.10.2010, Diverses

Am 22.09.2010 war ich in Hamburg von der Linksjugend [‘solid] zur Veranstaltung „Endstadion Teheran? Der Iran im Fadenkreuz westlicher Macht- und Interessenpolitik“ eingeladen.

Vor den etwa 40 ZuhörerInnen ging ich in meinem Vortrag zunächst auf die westliche Iran-Politik seit Beginn des 20. Jahrhunderts ein. Denn der Iran steht nicht erst seit gestern im Fadenkreuz der Großmächte:

Die riesigen Erdölvorkommen waren schon vor Jahrzehnten Grund für Großbritannien, auf den Iran massiven Druck auszuüben und die Rohstoffe des Landes auszubeuten.

Auch heute steht der Iran wegen des Vorwandes der Atomfrage wieder im Fadenkreuz. Seine bedeutende geostrategische Lage am Persischen Golf zwischen dem Irak und Afghanistan, die zweitgrößten Erdölreserven der Welt und das im Westen unliebsame Regime in Teheran, sind willkommener Anlass für eine politische Einflussnahme. Der UN Sicherheitsrat hat im Juni 2010 die Sanktionen verschärft, die EU hat ihrerseits striktere Sanktionen beschlossen und auch Kriegsdrohungen gibt es immer wieder – zuletzt aus Israel, als der Atomreaktor in Buschehr in Betrieb genommen wurde. Dabei ist der Iran Unterzeichner der Atomwaffensperrvertrages (NPT) und hat daraus resultierend das Recht auf eine friedliche Nutzung der Atomenergie und auch auf Urananreicherung im eigenen Land. Beides wird dem Iran aber vom Westen verwehrt bzw. in Frage gestellt, ohne dass es Beweise für ein militärisches Atomprogramm des Iran gibt. Dem Westen geht es beim Iran mitnichten um Menschenrechte – keine Frage der Iran ist eine Diktatur. Das ist jedoch für die USA und die EU nicht der Grund des Sanktionsdrucks und der zunehmenden Kriegsdrohungen. Es geht um politische Dominanz im Nahen und Mittleren Osten und um Rohstoffreserven.

Für Interessierte werden ich bei Zeiten meinen gehaltenen Vortrag hier Online stellen. Nach dem Vortrag ergab sich eine spannende Diskussion über die Kriegsgründe und auch die Rolle der deutschen Medien. Ich denke, dass Thema wird noch eine ganze Weile weit oben auf der politischen Agenda stehen.

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