Bundesregierung hat kein Interesse an Aufarbeitung der deutschen Kolonialvergangenheit

24.06.2011, Pressemitteilung Bundestag

„Mit ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE zur Rückführung der Gebeine von Opfern deutscher Kolonialverbrechen nach Namibia macht die Bundesregierung deutlich, dass ihr an einer echten und ehrlichen Aufarbeitung der deutschen Kolonialvergangenheit nicht gelegen ist. Ja, sie fällt sogar hinter die ohnehin schon problematische Haltung ihrer Vorgängerregierungen zurück“, so Niema Movassat, Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Deutschen Bundestags. Konkreter Anlass der Anfrage ist eine bevorstehende Delegationsreise aus Namibia zur Rückführung von zunächst 20 eindeutig hinsichtlich ihrer namibischen Herkunft identifizierter geraubter Schädel von Opfern des deutschen Vernichtungsfeldzugs zu Beginn des letzten Jahrhunderts in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Movassat weiter:

„Es lässt schon tief blicken, wenn die Bundesregierung bei einem so sensiblen Thema der deutschen Geschichte auf einen Großteil der gestellten Fragen gar nicht oder sehr ausweichend antwortet, während sie gleichzeitig in ihrem neuen Afrika-Konzept nicht müde wird, zu betonen, dass der künftige Umgang mit Afrika angeblich ‚auf gleicher Augenhöhe‘ und ‚partnerschaftlich‘ angelegt sein wird.

Trotz der weitgehend einhelligen Feststellung der meisten Fachhistoriker, dass das menschenverachtende Vorgehen Deutschlands gegen die Herero, Nama und Damara im damaligen Deutsch-Südwestafrika der völkerrechtlichen Definition eines Genozids entspricht, vermeidet die Bundesregierung beharrlich, dies auch anzuerkennen. Da drängt sich einem schon der makabre Eindruck auf, als sollten hier Leichen möglichst geräuschlos aus dem Keller geschafft werden, ohne dass sich dieses Land dabei ohne Wenn und Aber seiner schmutzigen Vergangenheit stellt. Auf dieser Grundlage wird echte Versöhnung und eine ehrlich gemeinte Partnerschaft ‚auf Augenhöhe‘ nicht möglich sein. Vielmehr macht diese Haltung deutlich, dass es höchste Zeit ist, sich für die Einrichtung eines Fonds zur Aufarbeitung der deutschen Kolonialvergangenheit und einen europäisch abgestimmten Rückführungsprozess von geraubten menschlichen Überresten aus ehemaligen Kolonien einzusetzen.“

 


Als Anhang dieser Pressemitteilung findet sich unten stehend die kleine Anfrage "Rückführung der Gebeine von Opfern deutscher Kolonialverbrechen nach Namibia"

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