Beim UZ Pressefest: „Die arabische Welt im Aufruhr“

27.06.2011, Diverses

Am 25.Juni 2011 habe ich auf dem UZ Pressefest im Pavillon der Fraktion DIE LINKE zum Thema „Die arabische Welt im Aufruhr“ referiert, anschließend gab es eine rege Diskussion mit den ca. 60 ZuhörerInnen. Im Rahmen meines Inputs habe ich mich an den Punkten orientiert, die ich bereits in meinem „FAQ Umbruch in der arabischen Welt“ im April herausgearbeitet habe sowie aktuelle Entwicklungen in Tunesien und Ägypten einbezogen und analysiert.

Im Rahmen der Diskussion ging es u.a. auch um die Frage, welcher Begriff denn nun der Richtige sei für die Vorgänge. Man findet ja wahlweise „Revolution“, „Aufstand“ oder „Revolte“ als Begriffe für die Umbrüche in der arabischen Welt. In meinem FAQ habe ich dazu nichts gesagt, da die Debatte aber immer wieder aufkommt und sie auch nicht rein akademischer Natur, da jeder Begriff etwas anderes bezeichnet und eine andere Beurteilung der Situation der arabischen Welt bedeutet, möchte ich an dieser Stelle kurz Stellung nehmen.

Vorweg ist festzuhalten, dass jedeR etwas anderes unter den Begriffen versteht, es auch unter PolitikwissenschaftlerInnen Differenzen gibt und in der Umgangssprache verschiedene Wortverständnisse vorzufinden sind. Orientiert man sich an den Definitionen, die man bei Wikipedia findet (und das dürften auch die Definitionen sein, die in der Breite der Bevölkerung relevant ist, daher beschränke ich mich in diesem Kurzbeitrag hierauf), scheidet der Begriff „Revolte“ aus. Denn „im Gegensatz zur Revolution steht der Begriff der Revolte meist für das Sich-Auflehnen einer kleineren Gruppe von Personen mit lokaler Begrenzung“ (Wikipedia). Weder sind in der arabischen Welt die Umbrüche lokal begrenzt noch handelt es sich um kleinere Gruppen, die sich dort auflehnen. Der Begriff „Revolution“ bezeichnet einen „radikalen und meist, jedoch nicht immer gewalttätigen sozialen Wandel (Umsturz) der bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse.“ (Wikipedia). Danach ist auch keine Revolution gegeben, denn auch in Tunesien und Ägypten sind weiterhin überwiegend Teile des alten Regimes an der Macht. „Ein Aufstand ist ein offener, gewaltsamer Widerstand mehrerer Personen gegen die Staatsgewalt“ (Wikipedia). Auch dieser Begriff passt letztlich nicht 100 %, da die Menschen friedlich auf die Straße gingen in Ägypten und Tunesien.

Man kann zusammenfassend sagen, dass jeder verwendete Begriff Probleme aufwirft. Man könnte indes von einem „revolutionären Prozess“ sprechen, da die Forderungen der Menschen grundsätzlicher Natur sind, d.h. Ende der diktatorischen Regime (nicht nur ihrer Oberhäupter Mubarak und Ben Ali, sondern des gesamten diktatorischen, korrupten Staatsapparates) und sozialer Wandel (Arbeit, niedrigere Lebenshaltungskosten; im Ergebnis nur mit einer grundsätzlichen Veränderungen der Wirtschaft zu erreichen), diese Forderungen aber noch lange nicht erreicht sind. Auch der Begriff eines „friedlichen (Volks-)Aufstandes“ würde passen.

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