130 Jahre Berliner Afrika-Konferenz: Kolonialismus in allen seinen Formen stoppen!

26.02.2015, Pressemitteilung Bundestag

„Auf der Berliner Kongo-Konferenz wurde 1885 eins der größten Menschheitsverbrechen der jüngeren Geschichte beschlossen. In krimineller Gangstermanier teilten sich die europäischen Großmächte die Welt unter sich auf – ohne dass auch nur ein Vertreter der betroffenen Völker mit am Tisch saß. 130 Jahre später ist im Kern vieles ähnlich, nur die Methoden sind angepasst worden. Damit muss endlich Schluss sein!“, erklärt Niema Movassat, Obmann der Fraktion DIE LINKE im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Movassat weiter:

„Worum ging es 1885 eigentlich genau? Erstens die Anmaßung, über globale Fragen allein von Europa aus entscheiden zu wollen. Zweitens, die gewaltsame Schaffung von riesigen Freihandelszonen rund um die Flüsse Kongo und Niger, um den Profit der europäischen Großunternehmer zu maximieren. Drittens, wie es der deutsche Reeder Woermann ausdrückte, ‚zwei große ungehobene Schätze‘ zu heben: ‚Die Fruchtbarkeit des Bodens und die Arbeitskraft vieler Millionen‘ Afrikaner auszubeuten. Viertens wurde dies obendrein noch mit einem edlen humanitären ‚Kulturauftrag‘ gerechtfertigt, den man als Europäer gegenüber den als Minderwertig definierten Afrikanern habe. Ein rassistisch legitimierter Diebstahl gigantischen Ausmaßes waren also das Öl im Getriebe der europäischen Industrialisierung.

Heute, 130 Jahre später, das gleiche Bild: Die wichtigsten Menschheitsfragen werden in kleinen Zirkeln der Großmächte, wie G7, Weltbank und IWF entschieden. Weiterhin werden Freihandelszonen den Ländern des Südens mit ganovenhaften Methoden zum aufgezwungen. Es findet ein massiver Landraub statt, von dem die Kolonialherren im 19. Jahrhundert nur träumen konnten. Und die Militärinterventionen in Afrika werden allen Ortens mit einer „Schutzverantwortung“ von zivilisatorisch überlegenen Nationen gerechtfertigt.

DIE LINKE stellt sich deshalb hinter die Forderungen des Zentralrats der Afrikanischen Gemeinde in Deutschland: Errichtung eines zentralen Denkmals für die Opfer von Kolonialismus, Versklavung und rassistischer Gewalt. Eine offizielle Anerkennung des deutschen Völkermords an den Herero und Nama und eine angemessene Wiedergutmachung. Außerdem: Kolonialinstitutionen wie die US-Militärbasis AFRICOM bei Stuttgart müssen geschlossen werden.

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